34th Chaos Communication Congress

»Ladeinfrastruktur für Elektroautos: Ausbau statt Sicherheit«
2017-12-27, 11:45–12:45, Saal Adams

Wir retten das Klima mit Elektroautos — und bauen die Ladeinfrastruktur massiv aus. Leider werden dabei auch Schwachstellen auf allen Ebenen sichtbar: Von fehlender Manipulationssicherheit der Ladesäulen bis hin zu inhärent unsicheren Zahlungsprotokollen und kopierbaren Zahlkarten. Ladesäulenhersteller und Ladenetzbetreiber lassen ihre Kunden im Regen stehen — geht das schnelle Wachstum des Marktanteils zu Lasten der Kundensicherheit?

Eine (AC-)Ladesäule ist eigentlich nur eine glorifizierte Drehstromsteckdose. Mit einem Autosimulator (vgl. https://evsim.gonium.net) kann man auf vielen Parkplätzen Strom beziehen, zum Beispiel um Waffeln zu backen:

https://www.youtube.com/watch?v=pUEp3uWAWqY

Mit diesem Simulator habe ich mir verschiedene Ladesäulen sowie ihre Backend-Kommunikation angeschaut. An den meisten Ladesäulen im öffentlichen Raum weist man sich mittels NFC-Chipkarte aus. Über das “Open Charge Point Protocol” (OCPP) (vgl. http://www.openchargealliance.org/protocols/ocpp/ocpp-15/) redet die Ladesäule dann mit einem Backend und prüft, ob der Ladevorgang freigeschaltet werden darf. Leider weisen sowohl die verwendeten Chipkarte als auch das OCPP-Protokoll selbst gravierende Mängel auf:

Es ist mit geringen Aufwand möglich, auf fremde Kosten zu laden. Böswillige Ladesäulenbetreiber könnten Ladevorgänge protokollieren und später “virtuelle” Ladevorgänge simulieren, um zusätzlichen Umsatz zu generieren.

Ladesäulen sind teilweise über das Internet erreichbar und können ferngesteuert werden: Ein laufender Ladevorgang kann aus der Ferne abgebrochen werden.

Wer physischen Zugriff auf Ladestationen hat kann diese beliebig umkonfigurieren und so z.B. alle Informationen für das Klonen von Ladekarten abschnorcheln. Der Vortrag stellt die Funktionsweise der Abrechnungssysteme dar und zeigt Proof of Concept-Implementationen verschiedener Angriffe.